Samstag, 22.09. - Autotour durch Estlands Südosten
Nachdem ich Freitag abend mit Bret (USA), Casey (Australien), Annika und Kaire (beide Estland) im "Catwalk" (nette Mischung aus Café und Kneipe in der Fussgängerzone) abendessen gewesen war und danach leichtsinniger Weise noch im Institut bis nachts um halb 3 gechattet hatte, befürchtete ich, dass ich an diesem Samstag ziemlich müde an dem Auto-Trip teilnehmen würde, da ich ja auch schon wieder um halb 8 aufstehen musste. Ich war allerdings an diesem Samstag zum grössten Teil ziemlich fit. Um viertel nach 8 war ich mit Bret verabredet und wir machten uns auf den recht langen Spaziergang zur Autovermietung, bei der wir unser Auto, welches wir für einen Tag mieteten, um 9 Uhr abholen sollten. Gut gegen meine Müdigkeit war, dass wir in dieser Zeit sehr viel Sauerstoff schnappen konnten. Überhaupt waren wir an diesem Samstag sehr viel an der frischen Luft (wie ihr sehen werdet), sodass ich deshalb wohl nie richtig müde wurde. Naja... auf jeden Fall konnten wir dann unseren Renault Clio in Empfang nehmen...
... und dann die anderen drei Ausflugsteilnehmer, die wir gütigerweise länger ausschlafen liessen, an unserem Studentenwohnheim abholen. Mit uns auf die Reise sind noch gegangen: Iina (aus Finnland), Kaire (aus Estland) und Casey (aus Australien). Die Idee ein Auto zu mieten hatten wir schon seit längerer Zeit. Die endgültige Entscheidung an diesem Samstag einen Roadtrip zu machen fiel aber erst 12 Stunden vor dem Start, weil die Wettervorhersage eigentlich nicht so gut war, was sich aber am Samstag Gott sei Dank nicht bewahrheitete. Casey haben wir sogar erst Freitag spät abends informiert über unsere Pläne und er hat spontan zugesagt. Ich kannte ihn vorher nicht wirklich, aber Bret hat ihn gefragt, ob er teilnimmt und so haben wir glücklicherweise noch einen fünften Teilnehmer gehabt.
Ja und so ging es dann gegen halb 10 auf in den Südosten Estlands:
Unsere erste Station ist die Stadt Põlva gewesen. Dies ist eine gemütliche Kleinstadt (rund 6.500 Einwohner) circa 50 km südöstlich von Tartu. Da sie die grösste Stadt der Region ist, ist Põlva Hauptstadt von Põlva maakond (Estland gliedert sich in 15 maakonnad). Kaire und Iina vor dem Stadtplan:
Wir (auf dem Bild Casey, Iina, Kaire und Bret) auf dem Weg...
... zu dem See, der euch sicherlich aufgefallen ist in der Mitte des Stadtplanes:
Casey, Iina und verdeckt Bret beim morgendlichen Spaziergang entland des Seeufers:
Die evangelische Kirche zu Põlva - man erkennt schon architektonische Unterschiede zu deutschen Kirchen, oder?
Eine Schildkombination zum Schmunzeln, die wir an der Hauptstrasse gesehen haben:
Unser Frühstück im Park in Põlva (Bret, Casey, Kaire, Iina):
Frisch gestärkt ging es dann schliesslich weiter in Richtung Setumaa. Setumaa ist eine kleine Region im äussersten Südosten Estlands (bzw. ein Teil von Setumaa liegt auch schon im russischen Gebiet), deren Einwohner (die Setukesen) sich eine starke Tradition bewahrt haben. Die Setukesen sind ein orthodoxes Volk, welches die Sprache Seto spricht, die verwandt mit dem Estnischen ist.
Auf dem Weg dorthin haben wir auch die tolle estnische Landschaft geniessen dürfen. Ein paar typische Bilder aus Estlands Landschaft, die ich aus dem Auto aufgenommen habe:


Letzteres Bild ist übrigens schon in dem Ort Värska aufgenommen. In Estland sieht es so in den kleineren Städten und Dörfern aus. Viel Grün, grosse Grundstücksflächen, die Häuser sind oft ungefähr 50 bis 500 Meter auseinander. Das Ganze ist schon sehr idyllisch. Bis auf in den grösseren Städten ist alles nicht so eng bebaut wie in Deutschland. Und selbst in den grösseren Städten gibt es oft viel mehr Grün- und Naturflächen.
In Värska waren wir in einer Art Freilichtmuseum, welches zeigt, wie die Leute in Setumaa lebten und anscheinend auch heute noch teilweise leben:

Im Inneren eines typischen Hauses in Setumaa:
Ein Bild von Bret, Kaire, Casey und Iina in diesem Haus:
Und die weiteren Bilder aus Värska:
Bret und Iina,...
... sowie Iina und Kaire beim Spielen :-):
Bret und Iina mit einer Katze:
Danach sind wir dann in ein Setu-Restaurant gegangen und haben uns mit typischen Setu-"Getränken" gestärkt:
Casey und Kaire beim Löffeln dieses "Getränkes", welches Kama heisst und so etwas ist wie dicke Sauermilch mit Getreidekörnern drin, sowie Apfelstücken oder Rosinen:
Wie Kaire gesagt hat, ist Kama nicht nur in Setumaa, sondern auch im Rest von Estland eine Art National"getränk". Nach der Stärkung ging es dann weiter in das wohl isolierteste Dorf Estlands: Saatse, welches auch in Setumaa liegt und welches nur über russisches Territorium zu erreichen ist. Dieses Photo ist beim Übergang in das russische Territorium entstanden. Auf dem russischen Territorium auf dem Weg nach Saatse ist es verboten, mit dem Auto anzuhalten und es ist natürlich auch verboten dort zu laufen:
Natürlich ist die Strasse vom übrigen russischen Territorium mit Stacheldraht gesichert falls doch jemand mal dort aussteigen sollte und das russische Gebiet ist natürlich genauestens mit den Pfählen mit dem russischen Doppeladler markiert:
Schliesslich zurück auf estnischem Territorium erreichten wir Saatse, wie erwähnt: den isoliertesten Ort Estlands:
Interessant war es, die orthodoxe Kirche mit angrenzendem Friedhof zu sehen, da diese ganz anders aussehen wie z.B. in Deutschland:


Ausser den architektonischen Unterschieden fällt besonders auf, dass auf den Grabsteinen Photos zu sehen sind und dass direkt am Grab Bänke stehen.
Von Saatse ist es dann nur noch ein paar Meter zur "richtigen" russischen Grenze hinter der dann tausende Kilometer bis zum Pazifik hin sich Russland erstreckt. Leider durften wir nicht weiter als bis zu dieser Grenze:
Ich vor dem russischen Grenzpfahl:
Ja, und dann mussten wir natürlich wieder umgekehren und durch Saatse (was ja auch zu Estland gehört) und die circa 1 km russisches Territorium wieder zurück nach Estland fahren:
Anschliessend sind wir in Setumaa ein wenig durch die "Pampa" getourt,...


... wobei ich auf einmal folgende SMS erhielt :-) ...:
... und wo Bret einmal eine zu sandige Strasse für ein französisches Auto ;-) wählte: Auf einmal tat es nämlich einen Schlag, weil der Sand für unseren Unterboden zu hoch war und ein Teil der Ersatzradabdenkung vom Unterboden wurde entfernt.
Nach diesem kleinen Schock verliessen wir Setumaa wieder und fuhren in das Dorf Võõpsu, welches in der Nähe des "Pihkva järv" liegt. Der "Pihkva järv" ist ein See, der ein kleiner Fortsatz des "Peipsi järv" ist, wobei dieser kleine Fortsatz eine etwas grössere Fläche hat als der bekannte Balaton in Ungarn. Der "Peipsi järv" ist dann aber ungefähr 4-5x so gross wie der Balaton. Bevor wir aber zu dem "Pihkva järv" gefahren sind, wollte wir uns in dem Dorf Võõpsu ein wenig stärken. Auf dem Weg nach Võõpsu habe ich ein von Skandinavien bekanntes und beliebtes Schild photographiert, welches man auch in Estland ziemlich häufig sehen kann:
Da wir aber mit keinem Elch zusammengestossen sind, haben wir nach einiger Zeit Võõpsu erreicht...

... und uns dort im Laden (es funktioniert dort noch wie in vielen Tante Emma-Läden: Man sagt der Kassiererin bei den meisten Artikeln, was man haben möchte und sie holt es hinter der Theke hervor)...
eine Stärkung für die weitere Reise geholt. Auf dem Bild sind Bret, Iina und Kaire:
Ich habe mir eine leckere Wurst gekauft :-):
Und hier noch ein Bild von Kaire und Casey:
Frisch gestärkt fuhren wir dann weiter nach Lüübnitsa, das direkt am Ufer des "Pihkva järv" liegt. Dort bestiegen wir einen Aussichtsturm, ...
(hier Kaire):
... von dem wir (hier: Bret, Iina, Kaire, ich) ...
... eine gute Aussicht hatten:
Das Gebiet auf der anderen Seite ist schon Russland - ein guter Schwimmer könnte theoretisch bestimmt rüber schwimmen - das Ganze ist allerdings natürlich nicht empfehlenswert und es befinden sich auch Beobachtungsposten entlang des Ufers:
Und ein Blick in Richtung Lüübnitsa am Ufer des "Pihkva järv":
Nachmittags, ja besser gesagt schon abends, machten wir uns auf den circa 45 km langen Weg in den Süden nach Võru, von wo es nochmals zirka 15 km waren bis zum Suur Munamägi, dem höchsten Berg... mhhh... 'tschuldigung... der höchsten Erhebung des gesamten Baltikums. Der Suur Munamägi (übersetzt ins Deutsche: Grosser Eierberg) hat eine Höhe von 318 Metern. Das Gebiet um Võru herum ist allerdings ziemlich hügelig und sehr idyllisch. Hier wieder ein Photo aus dem Auto auf dem Weg nach Võru. Man sieht, dass hier im Norden schon der Herbst begonnen hat:
Angekommen am Fusse des Suur Munamägi wurden erstmal ein paar Photos geschossen, ... (hier Casey, Bret, Kaire und Iina)
(Bret, Kaire, Iina, Casey):
... bevor es ziemlich steil (keine Ironie!) bergauf ging. Oben angekommen hatte der Aussichtsturm aber leider schon geschlossen (zum zweiten Mal war ich auf dem Suur Munamägi; zum zweiten Mal konnte ich den angeblich wundervollen Ausblick von der Turmspitze nicht geniessen). So konnten wir nur den Turm selbst sehen, sowie die Wipfel der vielen Bäume rundherum:
Aber auch ein Bild von der kompletten Reisegruppe liessen wir machen (Bret, ich, Iina, Kaire und Casey):
Nachdem einige sich mit Äpfeln gestärkt hatten, andere mit den Äpfeln Fussball gespielt hatten (auf dem Bild sind Casey und Iina) ...
... fuhren wir über einen grossen Umweg über die lettische Grenze und die russische Grenze, bei dem wie die Landschaft genossen, wiederum zurück nach Võru.
Võru ist die zweite Hauptstadt eines maakond (Võru maakond), die wir an diesem Tag besuchten. Mit knapp 15.000 Einwohnern ist Võru ausserdem die 12t grösste Stadt Estlands. In Võru gingen wir dann (es war wohl so gegen 21 Uhr) gut essen. Und das Essen dort war wirklich sehr gut und dazu noch reichlich. Ausserdem war es sehr lustig, dass mir irgendein älterer Este auf Deutsch viel erzählen wollte. Hier in Estland sprechen so viele Leute Deutsch - besonders auch ältere Menschen. Man kommt sogar oft mit Deutsch besser rum als mit Englisch. Das ist schon sehr interessant.
Wir blieben in der Kneipe/dem Restaurant dort bis kurz vor Mitternacht. Essen, Trinken, Schwätzen - und hier einige Bilder:
Das Restaurant bzw. die Kneipe - die Location war so irgendwas dazwischen:
Bret und Iina:
Iina und ich:
Kaire und Bret:
Ich und Casey:
Bret und Iina beim Essen:
Jaa und danach ging es dann zurück nach Tartu. Von Võru nach Tartu benötigt man zirka eine Stunde, sodass wir zwischen halb 1 und 1 von unserem Trip zurückgekehrt sind:
Auf dem Bild holt Kaire gerade unser Souvenir aus dem Kofferraum: Ein Teil der Abdeckung des Ersatzrades vom Unterboden des Renault, welches Bret als Andenken mit auf sein Zimmer mitnehmen durfte.
Tja, da wir jetzt schon wieder einige Minuten nach Mitternacht haben, muss ich meinen Bericht sogar in 3 Teile aufspalten und heute abend oder in den nächsten Tagen von unserem Sonntags-Ausflug berichten. Also, denn... schaut sehr bald wieder rein, denn...
Fortsetzung folgt wieder...
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