Im Jahre 1632 wurde meine jetzige Universität, die Ülikool Tartu, als Academia Gustaviana durch König Gustav II. Adolf von Schweden gegründet. Deshalb haben wir, vor allem in der im Titel besagten Woche, den 375. Geburtstag der Universität gefeiert. Es gab viele Veranstaltungen, sogar Silvia, die Königin von Schweden, nahm an den Feierlichkeiten teil. Der Haupttag für mich war der Donnerstag abend, an dem ich an einem beeindruckenden Fackelzug durch die Stadt zu diesem Jubiläum teilnahm - doch dazu gleich. Erstmal 2 Bilder von den Abenden dieser Woche. Am Mittwoch abend beispielsweise trafen wir uns mit ein paar Leuten in der Studentenkneipe "Trehv". Hier ein Bild von Anna (aus Georgien) und Paulius (aus Litauen):

Und ein Bild von Julia (sie ist eine Russin, die ursprünglich aus Tartastan in Russland stammt) und Anna (auch ein russischstämmiges Mädchen), die ich am Freitag abend im Park für ein Bierchen getroffen habe. Beide habe ich irgendwo in Tartu auf der Strasse kennengelernt. Ich habe ja schon in einem vorigen Blogkapitel erwähnt, dass man hier fast jederzeit mit kuriosen, netten Begegnungen und Kennenlernen von Leuten rechnen kann:

Nun aber wieder zum eigentlichen Thema dieses Kapitels: dem Geburtstag meiner Universität. Das Hauptgebäude der Uni war in diesen Tagen natürlich festlich geschmückt:




Der beeindruckende Abend für mich war aber - wie schon erwähnt - der Donnerstag abend. Schon am Donnerstag mittag im Estnisch-Sprachkurs spielte uns Katrin, unsere Lehrerin, eine, anlässlich des Jubiläums produzierte, DVD über die Universität vor, die ich sehr gelungen fand und deshalb auch gleich nach der Estnisch-Stunde kaufte. Um 20 Uhr wurde in der Jaani kirik (=Johanneskirche) unweit der Universität die Gründung der Universität als Theaterstück aufgeführt. In die Kirche konnte ich natürlich nicht hinein aufgrund des grossen Interesses (es schien an diesem Abend wirklich ein bisschen als wäre ganz Tartu, sowie alle ehemaligen Studenten auf den Beinen, um an den Feierlichkeiten teilzuhaben) und den Reservierungen für die VIPs, aber für die grosse Masse wurde dieses Theaterstück auch auf einer grossen Leinwand direkt am Universitätsgebäude übertragen. Deshalb machte ich mich abends auf vom Institut zum Universität-Hauptgebäude. Die Strassen im Zentrum Tartus waren mit grossen Teelichtern gesäumt, sowie der Parks:

Sogar die Strassenlaternen wurden in der Jubiläumswoche in den Farben der Universität Tartu geschmückt. Es ist wirklich schon ein gross gefeiertes Ereignis hier gewesen. Als ich am Universitäts-Hauptgebäude ankam, waren schon viele Leute dort versammelt:


Um kurz vor 21 Uhr, zum Ende des Theaterstückes, wurde dann für alle Leute grosse Fackeln verteilt, sodass der Bereich um die Universität in Fackellicht eingehüllt wurde:


Man achte auch auf die Mützen, die fast alle Leute trugen und die typisch sind für die Tartuer Studenten und Studentinnen. Oft werden die Mützen je nach Studentenverbindung oder Fakultät in verschiedenen Farben getragen. Ich denke, dass die Mützen sich an den Fahnen der verschiedenen Gruppen anlehnen. Die Fahnen der verschiedenen Gruppen ähneln alle irgendwie der estnischen Nationalflagge. Nur hat man z.B. in einer Fahne blau und schwarz vertauscht, da es zu der Entstehungszeit der Flagge verboten war durch Russland bzw. der Sowjetunion die estnische Flagge zu zeigen. Ich hoffe, dass ich dies so richtig verstanden habe in dem Film am Mittag.

Nochmal ein Blick auf die Menge und das Universitätshauptgebäude:

Natürlich habe ich bei der Feier auch viele Bekannte getroffen: Hier ein französisches Mädchen aus meinem Sprachkurs, dessen Name ich nicht im Kopf gerade habe (vielleicht Elsa [bin aber nicht 100% sicher]) vor den drei Georgiern Erekle, Tornike und Giorgi:

Nachdem der Fackelzug startete, am Kopf des Zuges eine Fanfarengruppe, und dabei tradionelle Lieder gesungen wurden, schlossen wir uns der mit Fackeln durch die Stadt ziehenden Menge an. Auf dem Weg konnten wir viele überraschende Effekte bewundern. Hier ein Feuerwerk in Form des 375-Jahre-Symbols am Parkrand:

Oder die Symbole mit den Jahreszahlen 1632 und 2007 an Inglisild:

Am Rande der Strecke beeindruckten uns unter anderem auch Feuerjongleure und viele Fackeln:

Der Tartuer Domberg ("Toomemägi") erstrahle in Licht der grossen Teelichter, der Fackeln und der Feuer:


Wir liefen bis zu einer Bühne auf dem Domberg,...:


... auf der ein Bühnenstück aufgeführt wurde, was bewegend mit klassischer Musik hinterlegt wurde und was nach wenigen Minuten in ein verdammt beeindruckendes Feuerwerk mündete:

Martin (aus den Niederlanden) und Kaire (aus Estland) gefiel die Feier sichtlich auch sehr gut - auch sie waren beeindruckt:

Nachdem das Programm auf dem Domberg beendet war, ging es zurück in das Zentrum der Stadt - hier ich mit einer Fackel:

Wir besuchten noch eine Kneipe am Raekoja plats und genossen die Atmosphäre im Park, wo viele Stunden nach der Feier immer noch die vielen grossen Teelichter brannten...:

... und wo Leute z.B. ein kleines Lagerfeuer machten und sich gemütlich drumherum setzten:

Auf dem Bild hier zu sehen sind Kaire, Martin, Annika (aus Estland), Simon (aus Belgien) und Paulius (aus Litauen) - Iina (aus Finnland) war auch zu dieser späten Stunde noch mit uns unterwegs wird in diesem Bild aber durch Annika verdeckt:

Dieser Donnerstag abend war also ein sehr beeindruckender Abend für mich, den ich so schnell sicherlich nicht vergessen werde. Erst wollte ich sogar an diesem Abend nur meine Wäsche waschen bzw. einige Sachen im Institut erledigen, weil ich dachte, dass diese Feierlichkeiten bestimmt nur formale Sachen sind, dann habe ich aber gedacht, dass es nicht gut sei, wenn ich schon mal zum 375. Geburtstag der Uni Tartu hier bin, bei so einer Feierlichkeit z.B. zu Hause zu bleiben. Und ich muss im Nachhinein sagen, dass mich dieser Abend so fasziniert hat, dass ich mir im Nachhinein wohl "in den Arsch gebissen hätte", wenn ich nicht hingegangen wäre ;-).
Zum Abschluss für heute zeige ich euch einfach noch ein paar Bilder, die ich im Bereich dieser Feiertage in Tartu gemacht habe (ich war mit zwei deutschen Jungs aus meinem Sprachkurs an diesem Tag unterwegs; Holger und [ich glaube] Andreas) - es ist das Gebiet Tartus rund um Jaani kirik:





In den nächsten Tagen versuche ich das Blogkapitel über unseren zweitägigen Ausflug nach Saaremaa Anfang Oktober online zu stellen. Also, schaut wieder rein in den nächsten Tagen. Head aega!
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