Nachdem ich am Freitag davor viel Organisationsarbeit verrichtet habe (es ist schwierig, wenn man plant mit Autos einen Ausflug zu machen, genau 5 oder 10 Leute zusammen zu bekommen, um die Kosten für jeden möglichst niedrig zu halten), konnten wir am Samstag mit 10 Leuten und 2 Autos Richtung Narva (Estlands drittgrösste Stadt mit zirka 75.000 Einwohnern im Nordosten Estlands direkt an der russischen Grenze) aufbrechen und auf dem Weg dorthin viele schöne Orte entdecken, wie ihr im Folgenden sehen werdet. Das beste des Organisationsergebnisses war, dass ich nicht nur 10 Leute auftreiben konnten, sondern sogar noch ein Auto für quasi umsonst. Ich rief nämlich am Freitag nachmittag Kadri (aus Estland) an, um ihr über unsere Pläne zu berichten und sie sagte, dass sie nicht teilnehmen könne, weil ihre Freundin am Samstag zu Besuch käme. Da wir aber zu diesem Zeitpunkt genau 8 Personen waren, sagte ich, dass sie doch ihre Freundin einfach auch fragen sollte, ob sie mitkommt und als mich Kadri dann wenig später zurückrief, sagte sie, dass sie beide mitkommen und Ave (das ist der Name der estnischen Freundin von Kadri) sogar noch ihr Auto zur Verfügung stellt. Das war natürlich super: Wir waren also genau 10 Leute und mussten nur 1 Wagen mieten. So reduzierten sich die Kosten für alle natürlich erheblich.
Wie am Wochenende vorher brachen Bret (aus den USA) und ich Samstag morgen früh um 8:15 Uhr zur Autovermietung auf, wo wir um 9 Uhr erstens Ave und Kadri mit dem einen Auto trafen und wo wir das zweite Auto mieteten. Danach fuhren wir zu unserem Studentenwohnheim um die anderen, die eine Stunde länger schlafen durften, auf die Autos zu verteilen. Hier ein Photo von mir und unserem guten Ford Focus am Parkplatz in der Nähe unseres Studentenwohnheimes:

Nachdem wir uns im Supermarkt nebenan noch mit ein paar Lebensmitteln eingedeckt hatten, ging es auf in Richtung Mustvee, einer Stadt am Peipsi järv (=Peipussee), wo wir mit den Leuten im anderen Auto den ersten Treffpunkt vereinbart hatten. Hier Bret (aus den USA) beim konzentrierten Fahren:

Ein Blick nach hinten auf die Rückbank zu Martin (aus den Niederlanden), Kaire (aus Estland) und Iina (aus Finnland):

Um nicht nur die Hauptstrassen zu fahren und mehr von der Landschaft zu sehen, nahmen wir auf dem Weg nach Mustvee ein paar Umwege über die kleineren, schöneren Strassen (auf denen wir fast einen wild gewordenen Hund überfuhren, der plötzlich mitten in der Pampa vor unser Auto sprang und sich etliche Minuten weigerte, uns weiterfahren zu lassen):


Einen kleinen Zwischenstopp auf dem Weg nach Mustvee legten wir in Alatskivi ein,...:

... wo sich etwas versteckt zwischen den vielen Alleen und Bäumen ein schönes Schloss findet:

Martin, Iina und Kaire vor dem Schloss,...:

... in welchem innen allerdings noch einiges nicht renoviert wurde:

Nach der kurzen Besichtigung ging es dann weiter nach Mustvee, wo wir den anderen Teil der Gruppe am Ufer des Peipsi järv traffen:

Ein Photo von mir und Kaire (wie schon oft erwähnt, zähle ich die Personen auf den Photos immer von links nach rechts auf):

Ein paar Impressionen vom Peipsi järv, der mit einer Fläche von über 3500 Quatratkilometern die circa 6fache Grösse hat wie der sehr bekannte Balaton (Plattensee) in Ungarn:



Hier Bret, Mari-Liisa (aus Estland), Shan Shan (aus Hong Kong, China), Kadri (aus Estland), Ave (aus Estland) und Sam (aus Hong Kong, China):

Kadri und Sam:

Während sich andere Leute in Mustvee ihr Essen erst fangen müssen,...:

... haben Martin und Sam sich den nötigen Proviant schon mitgebracht gehabt:

Die Beratschlagung über die weitere Reiseroute (Kadri, Sam, Mari-Liisa, Ave, Bret und Martin) ...:

... ergab, dass wir am Ufer des Peipsi järv weiter Richtung Norden fahren und dann entlang des Nordufers weiter Richtung Osten fahren. Zwischendurch legten wir in einem Wald mal wieder einen Zwischenstopp ein:

Da wir wussten, dass sich der Peipsi järv nicht weit entfernt befinden konnte, liefen wir nach rechts durch den Wald und nach kurzer Zeit erreichten wir das Nordufer des Peipsi järv (im Bild: Ave und Kadri):

Das Nordufer vom Peipsi järv bietet tolle einsame Strände - die Leute von unserer Gruppe waren weit und breit die einzigen Menschen (auf dem Bild: Kaire, Bret, Martin und Iina):

Hier Shan Shan am Strand mit dem Wald im Hintergrund:

Bret geniesst die Ruhe, die der Strand bietet für einen kleinen Spaziergang alleine:

Der Strand in seiner vollen Schönheit:

Kadri, ich und Ave:

Mari-Liisa auf einem kleinen "Sandsteg" in den Peipsi järv:

Mari-Liisa im Vordergrund und Peipsi järv, Strand und Wald im Hintergrund:

Kaire und Martin, die mittlerweile ein Pärchen sind (die Pärchenbildung hat sowieso hier längst angefangen ;-): z.B. auch Iina, die auf diesem Ausflug dabei war, und Simon (aus Belgien), den ihr von vorigen Blog-Episoden kennt, sind mittlerweile ein Pärchen):

Sam bringt uns einige chinesische Schriftzeichen und Wörter bei :-):

Nach der kleinen Sprachlektion ging es dann weiter Richtung Norden bis nach Kuramäe, wo sich eine orthodoxe Klosteranlage befindet, die wir besichtigen wollten. Man muss wissen, dass der nordöstliche Teil Estlands, besonders Ida-Virumaa (einer der 15 maakonds Estlands) stark russischem geprägt ist und dass viele Leute dort orthodoxen Glauben haben. Hier der Plan dieser beeindruckenden, grossen Klosteranlage:

Mari-Liisa vor der Kirche rechts auf der Karte:

Kaire und Sam (im Hintergrund: Iina, Shan Shan und Bret):

Blick auf die Hauptkirche der Klosteranlage:


Martin, Kaire, Bret, Kadri, Ave, Iina und Shan Shan (Mari-Liisa und Sam sind verdeckt) vor dem Eingang zum Hauptbereich der Klosteranlage:

Das Portal zu der Klosteranlage:

Die Hauptkathedrale von aussen...:

... und von innen:

Ein weiteres Photo von der Klosteranlage:

Shan Shan, Bret, Sam und Mari-Liisa beim Spazieren durch die weiträumige Anlage:

Wohnhäuser auf der Klosteranlage:

Interessant ist es auch die vielen orthodox gläubigen Leute, in ihren speziellen Outfits in und nahe der Klosteranlage zu sehen:

Nach dem Klosterbesuch ging es weiter Richtung Norden. In Kohtla-Järve (viertgrösste Stadt Estlands mit rund 48.000 Einwohnern) wollten wir einen Supermarkt oder Laden finden, um uns ein wenig mit einem Snack (als Ersatz zum Kaffeetrinken) zu stärken, allerdings konnten wir beim flüchtigen Gucken bei der Durchfahrt keinen Supermarkt oder ähnliches entdecken, sondern fast nur Industrie. Kohtla-Järve ist fast eine reine Industriestadt (vor allem bekannt für den Abbau von Ölschiefer) und wirkt damit nicht wirklich schön auf mich. Hier ein typisches Bild für Kohtla-Järve:

Nun aber wieder zu den schöneren Bildern. Unweit nördlich von Kohtla-Järve befindet sich Estlands wundervolle Nordküste am Finnischen Meerbusen, an der wir zwei Zwischenstopps einlegten. In diesem Gebiet ist das Ufer eine felsige Steilküste,...:


(das hell-leuchtende rechts oben im zweiten Bild ist Wasser, welches aber so stark die Sonne reflektiert, dass es die Kamera leider nicht so gut als Wasser erkennen lässt)
... die sehr beeindruckend für uns gewesen ist (die Bilder können das aber leider nicht so gut rüberbringen, wie es in echt ist).
Auf dem folgenden Bild ist etwas typisch Estnisches zu sehen (ich denke sogar, dass es typisch für das gesamte Baltikum ist). An dieser Steilküste sass direkt neben uns eine Gruppe, die in mitten der wunderschönen Natur traditionelle Lieder auf der Gitarre spielte, flötete und sang. Obwohl dies - wie gesagt - ein typisch baltisches Phänomen ist, war die Gruppe zusammengesetzt aus Leuten der russischsprachigen Minderheit Estlands, die in diesem Landstrich sogar eine Mehrheit darstellt (um die 80% nahe Kohtla-Järve):

Für mich war diese Situation, der Anblick des weiten Meeres, der Steilküste und im Hintergrund diese spezielle Musik sehr besonders - ich denke, dass es für mich der beeindruckenste Moment dieses Ausfluges war.
Bei unserem zweiten Zwischenstopp an der felsigen Steilküste fanden wir auch eine Art Bistro, wo wir uns endlich stärken konnten (nachdem wir ja vorher leider vergeblich Ausschau nach etwas Essbarem hielten) - Mari-Liisa, Martin, Ave, Shan Shan, Bret, Kadri, Sam, Iina und Kaire:

Aus einer anderen Perspektive (am vorderen Tisch: Ave, Martin, Kadri, Shan Shan, Mari-Liisa; am hinteren Tisch: Bret, Sam, Kaire, Iina):

Ich, Martin und Ave:

Nach dem "Kaffeetrinken" gingen wir zu der Steilküste an diesem zweiten Zwischenstopp (auch hier ist das hellreflektierende wieder das Meer):

Mitten in diesen Felsen war auch noch ein kleiner, aber sehr hoher Wasserfall eines Flüsschens zu dem Meer:

Ein Photo von Iina an diesem Ort:

Und nochmals ein Blick auf weite Meer hinaus...:

... bevor es mit den Autos durch das herbstliche Estland...:

... Richtung Narva ging (wie ihr erkennen könnt sind es von Narva, der estnischen Grenzstadt zu Russland, nur 138 Kilometer bis Sankt Petersburg):

Einige abendliche Impressionen auf den letzten Kilometern nach Narva:


Wir erreichten Narva, Estlands drittgrösste Stadt, gegen 7 Uhr abends. Narva ist das Zentrum der russischen Minderheit Estlands. Die Einwohner Narvas gehören nämlich zu ungefähr 95% der russischen Minderheit Estlands an. Die Stadt Narva ist insgesamt gesehen nicht so schön, meiner Meinung nach. Folgende Bilder prägen das Stadtbild:


Was allerdings sehr beeindruckend ist in Narva, ist der Punkt an dem sich Hermanni Linnus (Hermannsfeste) auf estnischer Seite und die Festung Iwangorod auf russischer Seite machtvoll gegenüberstehen. Hier ist die EU von Russland nur durch den Fluss Narva getrennt:

Vor dieser Kulisse habe ich mich natürlich mal von Sam photographieren lassen:

Ein Blick hinüber nach Russland zur Feste Iwangorod:



Auch Ave, Kadri, Bret, Mari-Liisa, Martin, Iina und Kaire sind vom Anblick der beiden Festungen auf den beiden Seiten des Flusses beeindruckt:

Hier Hermanni Linnus (im 13.Jahrhundert übrigens gebaut) auf estnischer Seite:


Ein Blick zum russischen Grenzübergang:

Und ein paar Blicke Richtung abendlichem Narva (im ersten Bild im Vordergrund ist Sam):


Bilder von innerhalb Hermanni Linnus:





Ein Bild von mir, Mari-Liisa, Kadri, Ave, Shan Shan und Sam:

Die russische Sprache ist in Narva ständig präsent. Strassenschilder sind auch in russischer Sprache beschildert:

Beim Einkaufen im Laden folgte auf mein "Tere" zu der Kassiererin ein "добрый вечер". Aber ich hätte mir es ja bei den Beschilderungen an den Läden gleich denken können:

Nichts gegen die russische Sprache oder die russisch-sprachige Bevölkerung allgemein, aber was wir in Narva vorfanden, fand ich teilweise schon erstaunlich in einem traurigen Sinne. Ein Beispiel dafür: Wir trafen auf der Strasse eine sehr nette einheimische Frau und fragten sie nach einem Restaurant. Sie war sehr hilfsbereit und lief sogar mit uns ein Stück des Weges, aber sie als Einheimische konnte kaum Estnische und fragte unsere estnischen Mädels, ob sie nicht auf Russisch oder Englisch mit ihr sprechen könnten.
In Narva konnten wir aber kein für uns geeignetes Restaurant finden. Wir fanden 2 richtige Restaurants, die aber zu teuer waren und sonst nur Schnell-Restaurants (wie z.B. McDonalds). Wenn wir Alkohol-Shops gesucht hätten, hätte es kein Problem gegeben. Die konnten wir an fast jeder Ecke finden. Also sind wir mit dem Auto aus Narva rausgefahren nach Sillamäe: kein Restaurant in Sillamäe. An der Hauptstrasse von Narva Richtung Tallinn - Restaurant: Fehlanzeige. Nach 1 1/2 Stunden intensiver Suche und mehrmaligem Nachfragen fanden wir aber schliesslich ein kleines Restaurant in Jõhvi, wo wir sehr hungrig einkehrten und endlich zu Abend essen konnten:


Kaire und Iina beim wohlverdienten Bier :-):

Sam und Kadri:

Iina und Bret:

Ave, Mari-Liisa, ich und Shan Shan:

Sam, Kadri und Ave:

Iina und - ja, Bret war nach dem langen Tag doch etwas müde:

Aber nicht nur er: Hier Martin, Kaire und Iina:

Nach dem Essen ging es die noch circa verbleibenden 150 Kilometer zurück nach Tartu, wo wir gegen halb 2 oder 2 dann schliesslich ankamen. Hier ein Abschlussphoto von Iina, Kaire und Martin,...:

... die Bret und ich am Studentenwohnheim schon ausluden. Wir brachten anschliessend noch das Auto zurück zur Autovermietung und machten uns mit einem Abschlussbier, was wir an der Tankstelle geholt hatten auf den Heimweg.
Was ich zu dieser Zeit noch nicht ahnen konnte war, dass Bret am darauffolgenden Mittwoch schlagartig zurück in die Staaten fliegen musste. Ich war ganz perplex als ich ihn Dienstag abend anrief zwecks Planung für diesen Abend und er mir sagte, dass er auf Grund des bevorstehenden Todes seiner Grossmutter zurück in die Staaten fliegen wird und wohl auch erstmal nicht zurück nach Estland kehren wird (da er bis dahin offensichtlich auch nicht so zufrieden mit dem Verlauf seines Studiums hier war). So war der Dienstag abend, an dem wir in der Wilde Pub Champions League schauten ein etwas trauriger Abend. Was aber schön war: Ich konnte mich von Bret noch verabschieden, da er gegen Mitternacht für einige Minuten noch dort in der Pub auftauchte, um sich von den Leuten zu verabschieden. Was aber noch schöner war und was wir zu diesem Zeitpunkt auch nicht ahnten: Nach nur circa 1 1/2 Wochen kehrte Bret wieder nach Tartu zurück. Seine Schwester konnte ihn offensichtlich überzeugen, dass das Studium für ihn hier doch gut sein könnte.
Trotzdem sind nicht mehr alle Studenten vom Anfang immer noch hier: Meghan aus den USA zum Beispiel fuhr Mitte September zurück in die Staaten. Ich hatte zwar nicht sehr viel mit ihr zu tun, trotzdem ist das Ganze schade. Naja, ich habe ihre eMail-Adresse und Messenger-Adresse und ich hoffe, dass wir in Kontakt bleiben können.
Ich wollte eigentlich dieses Kapitel meines Blogs schon vergangene Woche posten. Allerdings gab es Probleme bei dem Hochladen der Bilder, sodass ich letzte Woche nicht so viel bloggen konnte, wie ich wollte. Innerhalb der nächsten Tage versuche ich allerdings den Blog mal wieder auf den neuesten Stadt zu bringen. Es gibt noch so viel zu berichten... Also, bis denne...
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